Das Nervt! Wenn mir KI-Musik gefällt

Neulich hat mein Freund Thomas seiner Frau Alex zum Geburtstag einen selbst generierten KI-Song vorgespielt. Ein persönliches Lied, eigens für sie angefertigt. Leider Schlager, aber darauf steht sie nun mal. Ich war also bestens darauf vorbereitet, das Ganze musikalisch furchtbar zu finden. Was ich nicht erwartet hatte: wie schwer es mir fallen würde, es auch schlecht zu finden.

Leider geil?

Nun kamen da diese gut gelaunten Schlagerbeats aus den Boxen, darüber eine Stimme, die klang, als würde sie seit Jahren die ZDF-Fernsehgarten-Bühne bespielen. Nur ich wusste nicht so richtig, wohin mit meinem Urteil. Natürlich war das nicht meine Musik. Aber es war erschreckend gut gemacht. Nicht gut im Sinne von „Für einen Computer ist das schon ganz ordentlich“. Sondern so, dass ich als Musiker erst einmal ziemlich wenig daran herumzunörgeln hatte. Und das hat mich fast mehr gestört als der Schlager.

Normalerweise findet sich ja immer etwas. Ein holpriger Übergang, eine unpassende Melodie, irgendetwas, an dem man seine fachliche Überlegenheit noch kurz festmachen kann. Hier blieb mir zunächst nur die Feststellung, dass ich Schlagermusik eben nicht mag. Ein eher dünnes Argument gegen eine Technologie, die mich gerade verhöhnt!

Bloß nicht ausprobieren

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich mit selbst generierter KI-Musik bisher kaum Erfahrung habe. Oder besser gesagt: ich habe mich dagegen ziemlich erfolgreich gewehrt. Vor einiger Zeit hatte ich mal mit “Output” versucht, Samples und Loops für meine Synthwave-Projekte zu erstellen. Hauptsächlich Drumloops und Snares. Die Ergebnisse waren eher ernüchternd und entsprechend schnell war das Thema für mich wieder vom Tisch.

Im Nachhinein frage ich mich allerdings, ob mir das nicht auch ganz gelegen kam. Solange die Ergebnisse enttäuschen, muss man sich schließlich keine unangenehmen Fragen stellen. Man kann beruhigt seine DAW schließen und weiß: So einfach ist Musikmachen dann eben doch nicht.

Das funktioniert genau so lange, bis einem bei der nächsten Geburtstagsfeier das Gegenteil vorgespielt wird!

Vielleicht habe ich mich ja gar nicht nur aus musikalischen Prinzipien dagegen gewehrt. Vielleicht wollte ich einfach vermeiden, dass ich es gut finde. Das wäre jedenfalls eine ziemlich bequeme Art gewesen, recht zu behalten. Für den Moment.

Ein Lied zum Mitnehmen

Ein anderer Fall: Mein achtjähriger Neffe war neulich auf einem Kindergeburtstag eingeladen. Nach Hüpfburg, Eis und Pommes gab es am Ende ein KI-generiertes Hip-Hop-Lied, das alle digital mit nach Hause nehmen konnten. Zwischen einfachen Breakbeats und einer eingängigen Bassline trällerte eine Stimme “Joshi, Hannes, Lena – schön, dass ihr alle da wart.” oder so ähnlich – jedenfalls sinngemäß wurden die Kinder namentlich begrüßt beziehungsweise verabschiedet.

Und da merke ich plötzlich, wie meine sorgsam gepflegte Abwehrhaltung Risse bekommt. Ein persönliches Lied als Erinnerung an einen Kindergeburtstag? Eigentlich eine schöne Idee. Jedenfalls kann ich mich damit deutlich leichter anfreunden als mit dem Gedanken an eine beliebig nachbestellbare Popmusik.

Aber warum eigentlich? Weil hier kein großer künstlerischer Anspruch behauptet wird? Weil es vor allem darum geht, den Kindern eine Freude zu machen? Das galt für den Geburtstagsschlager doch genauso. Und Alex werde ich wohl kaum erklären wollen, dass ihre Tränchen in den Augen musikalisch leider nicht gerechtfertigt waren.

Und meine Ausreden?

Natürlich ist für mich wichtig, dass hinter einem Song ein Mensch steht. Jemand, der etwas ausdrücken wollte, eine Idee hatte, an mindestens einer Stelle gezweifelt und sich am Ende bewusst für diese eine Version entschieden hat.

Andererseits arbeite ich oft selbst mit vorgefertigten Sounds, Samples und Loops. Ich muss nicht jede Snare eigenhändig aufgenommen haben, um einen Song als meinen zu empfinden. Irgendwo verläuft für mich trotzdem eine Grenze zwischen einem Werkzeug, mit dem ich Musik mache, und einem Werkzeug, das die Musik für mich macht. Nur kann ich gerade erstaunlich schlecht erklären, wo genau.

Und dann ist da noch diese etwas unangenehmere Frage: Stört mich wirklich, dass inzwischen ein paar Stichworte und ein paar Sekunden Wartezeit für einen brauchbaren Song reichen? Oder kratzt es vor allem an meinem Musiker-Ego? Schließlich habe ich mir über Jahrzehnte vieles mühsam beigebracht, was andere jetzt offenbar einfach in ein Textfeld tippen können.

Ich weiß im Moment tatsächlich nicht, wie ich als Musiker dazu stehen soll. Das persönliche Kindergeburtstagslied finde ich theoretisch sympathisch. Der Schlager hat mich widerwillig beeindruckt. Und beides zusammen macht es ziemlich schwierig, die Sache einfach als seelenlosen Quatsch abzuhaken.

Vielleicht muss ich es doch einmal selbst ausprobieren. Ganz unverbindlich natürlich. Nur, um mir ein fundiertes Urteil erlauben zu können. Die passende Ausrede dafür habe ich mir jedenfalls schon zurecht gelegt. Jetzt fehlt mir bloß noch ein Ergebnis, das schlecht genug ist. Das sollte doch möglich sein – mit dem richtigen Prompt …

Was sind eure Erfahrungen zu dem Thema? Schreibt mir gerne in die Kommentare.

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