Es mag sein, dass ich mich irre. Aber irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass man als Musiker zu den denkbar schlechtesten Einkaufsberatern der Welt gehört. „Mein Bruder wünscht sich ein Audio-Interface. Kannst du dich mal darum kümmern?“ oder „Wir möchten uns ein neues Mischpult anschaffen. Du kennst dich doch da aus“.
Ich persönlich komme jedenfalls ziemlich oft in solch verzwickte Situationen, in denen man deutlich mehr falsch als richtig machen kann.

Zwischen Verzweiflung und Arroganz
„Ich möchte gerne mit dem Rechner Musik machen. Was brauche ich dafür?“
Solche oder ähnliche Fragen hört man als Musiker immer mal wieder. Vorzugsweise beim Grillen, während eines wichtigen Fußballspiels oder auf Familienfeiern. Jeder hier weiß, dass man derlei Fragen unmöglich pauschal beantworten kann und schon gar nicht „mal eben zwischendurch“.
Jetzt gibt es genau zwei Möglichkeiten:
- Ich bombardiere den armen Tropf mit einem Fragenkatalog zu seinen Absichten, seinem Rechner, der vorhandenen Soft- und Hardware usw. Dabei versuche ich möglichst wenig „Fach-Chinesisch“ zu verwenden und dennoch auf die Vielfalt der Produkte in diesem Marktsegment hinzuweisen. Ende vom Lied: der Fragende ist sichtlich verzweifelt ob der tausend Dinge, die er gar nicht bedacht hatte. Er verspricht, sich nochmal Gedanken zu machen, um sich dann wieder bei dir zu melden. Du hörst zu diesem Thema nie wieder etwas von ihm.
- Du bist ehrlich und sagst, dass das Thema zu komplex ist, um eine Pauschal-Empfehlung auszusprechen und bietest an, in den nächsten Tagen in einem längeren Gespräch mit ihm gemeinsam eine Lösung zu finden.
Das klingt nicht selten furchtbar arrogant und somit ist es auch hier nicht ganz unwahrscheinlich, dass sich das Thema ziemlich schnell erledigt hat.
Beratungsinkompetenz
Mal ganz ehrlich: oft kann man in solchen Situationen nur blöd dastehen. Entweder als jemand, „der wohl doch nicht so viel Ahnung hatte, wie gedacht“ oder als arroganter Fatzke, der sein Wissen nicht preisgeben möchte.
Tatsächlich ist es aber die Vielfalt, die es unmöglich macht kompetent zu beraten. Und dazu kommt, dass sich jeder Musiker von anderen Dingen begeistern lässt und andere Anwendungsgebiete, Stilrichtungen und Arbeitsweisen bevorzugt.
Telefon-Hotline
Ich persönlich gehöre eher zu der Sorte „Berater“, die immer versuchen eine Lösung für das Problem zu finden – auch wenn mich das mein Wochenende kostet.
Neulich rief mich ein Freund aus dem Proberaum seiner Band an und fragte mich, ob ich „mal kurz“ helfen könnte. Das Effektgerät wolle irgendwie nicht mit dem neuen Mischpult zusammenarbeiten. Klar, kein Problem. Per Ferndiagnose. Ich kenne weder das Mischpult, noch die Effekt-Hardware, aber ich gebe natürlich mein bestes.
Hat der Mixer einen Aux-Eingang? Gibt es einen Send- oder einen Return-Regler? Welche Klinkenkabel habt ihr wo angeschlossen? Währenddessen google ich die Geräte im Internet und schaue mir Bilder von deren Anschlüssen an. Aber egal was ich vorschlage, wir bekommen das Ding auch nach guten zwei Stunden nicht zum Laufen.
Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass man auf dem Mischpult erst einen kleinen Knopf drücken muss, um die interne Effektabteilung abzuschalten. Wie soll man auf so etwas kommen – am Telefon!?
Und wer steht am Ende trotzdem als Idiot da?

Was sind eure Erfahrungen zu dem Thema? Schreibt mir gerne in die Kommentare.

