Das Nervt! Kabelsalat hinterm Rack

So, heute ist es soweit. Ich werde endlich den jüngst erworbenen Hardware-Synthesizer in mein 19“-Rack einbauen. Davor drücke ich mich jetzt schon seit geraumer Zeit ziemlich erfolgreich. Warum? Naja, in erster Linie aus Respekt vor dem Kabelsalat auf der Rückseite. Aber heute werde ich den Kampf gegen das Chaos aufnehmen. Zumindest habe ich mir das ganz fest vorgenommen…

Die Ausgangslage

Vielleicht kennt ihr das ja auch. Da springt man tagelang bei jedem Klingeln in freudiger Erwartung des Postboten auf, und ist die wertvolle Neuanschaffung dann endlich im Haus, packt man mit leuchtenden Augen das Paket aus, um es dann erst einmal wieder einzupacken und bei „nächster Gelegenheit“ in das laufende System zu integrieren.

In meinem Fall ist es ein günstig ersteigerter Quasimidi Quasar, ein echter Kult-Synthesizer aus den 90er Jahren. Und auf die „nächste Gelegenheit“ warte ich seit nunmehr drei Monaten. Als ich heute morgen den Karton aus Platzgründen vorsichtig in eine andere Ecke schieben wollte, war mir das endlich zu blöd und ich beschloss den Synthie ins Rack einzubauen und zu verkabeln. Noch heute!

Gesagt, getan

Versteht mich nicht falsch. Es ist nicht so, dass ich mich vor der Arbeit drücken würde. Es ist vielmehr die Angst davor, was mich hinter dem Geräteschrank erwartet. Und das völlig zu Recht. Als ich das Gestell vorsichtig ein paar Zentimeter nach vorne ziehe, kommen gefühlte hundert Kabel verschiedenster Art und Güte zum Vorschein – von Klinke über Cinch bis hin zu XLR, Strom und USB. Ich ertappe mich dabei, wie ich mir Gründe überlege, warum ich dafür gerade absolut keine Zeit habe. Nix da. Das wird jetzt durchgezogen, sonst liegt der Karton noch an Weihnachten hier.

Zwei freie Höheneinheiten sind recht schnell gefunden, aber wo waren denn nochmal die Rackschrauben? Ich erinnere mich, dass ich sie damals „gut weggelegt“ hatte, damit ich sie auch ja schnell wiederfinde. Eine halbe Stunde später habe ich die Schrauben endlich gefunden und der Quasar sitzt jetzt tatsächlich bombenfest an seinem neuen Platz.

Kabelsalat

Jetzt kommt der schwierigste Part: das lustige Spiel „Finde die letzte freie Steckdose“.

Es ist schon erstaunlich, wie viele Stromkabel im Laufe der Zeit so zusammenkommen. Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass ich niemals so viele Geräte in Betrieb habe wie hier Netzteile und Kaltgerätekabel kreuz und quer angeschlossen sind. Ich entscheide mich kurzerhand für eine weitere Mehrfachsteckdosenleiste und male mir in Gedanken aus, wie mich mein Elektriker zu dieser großartigen Entscheidung beglückwünscht.

Egal. Das neue Gerät wird jetzt „midifiziert“, auch wenn ich dafür ganz, ganz tief in das Kabelknäuel eintauchen muss. Denn schließlich will der neue Midi-Kandidat ja in meine funktionierende Signalkette eingebaut werden. Dafür muss ich zunächst diverse Midi-Verbindungen mit den Fingern abfahren, um zu sehen wo sie anfangen und wo sie aufhören. Dabei kauere ich eine gefühlte Ewigkeit in höchst unnatürlicher Haltung irgendwo zwischen Rack und Schreibtisch. Währenddessen komme ich zu der Erkenntnis, dass ein reines Software-Studio absolut nicht zu verachten ist.

Wie auch immer. Zwei zusätzliche Midikabel hatte ich zum Glück noch, wobei zugegebenermaßen eines davon recht kurz ist und somit leider etwas „auf Spannung“ mit dem Masterkeyboard verbunden werden musste. Naja, ich werde bei nächster Gelegenheit ein längeres Kabel kaufen.

Geschafft. Jetzt fehlen nur noch die Audioverbindungen. Obwohl der Quasar auch Einzelausgänge besitzt, verbinde ich zunächst nur den Stereo-Output – aus Mangel an passenden Klinkenkabeln. Bei solch kurzfristigen Aktionen kann man eben unmöglich auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.

Der große Moment

Ich schiebe das Gestell vorsichtig wieder nach hinten an seinen Platz und merke, dass meine Angespanntheit langsam einer kindlichen Vorfreude weicht.

Und was soll ich sagen… der Moment, als ich den ersten Klang auf dem Synthesizer anspiele entschädigt tatsächlich für alles. Für die rund drei Stunden Kampf gegen den Kabelsalat, aber auch für die letzten drei Monate mit schlechtem Gewissen.

Was sind eure Erfahrungen zu dem Thema? Schreibt mir gerne in die Kommentare.

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